Auf der Suche nach Rendite

Auf dem Sparkonto und auf dem normalen Konto erhält der Bankkunde derzeit keinen Zins. Auch für Schweizerfranken-Festgeld gibt es keinen Zins. Und dies dürfte trotz den angekündigten Zinserhöhungen für 2022 in den USA im Schweizerfranken-Bereich vorerst wohl so bleiben. Auf der Suche nach Rendite bleiben die Anlageinstrumente Aktien und Obligationen. Sehr bescheiden bleibt der Ertrag auf Obligationen. So kann man mit Schweizer Bundesanleihen keine Rendite erzielen. Immerhin offerierte jüngst die bekannte französische Bank Société Générale 0.28 Zins für eine fünfzehnjährige Anleihe lautend auf Schweizerfranken. Ist eine solche Anlage für Privatanleger zweckmässig und sinnvoll? Eher nicht, wenn die Spesen mitberücksichtigt werden. Kommt hinzu, dass im Fall von steigenden Zinsen, die Kurse fallen würden. Aktien sind derzeit das Fundament eines jeden Portefeuilles. Sie werfen teilweise beachtliche Renditen ab.


Der grundsolide, finanzstarke Schweizer Sanitärtechniker Geberit ist seit Jahren auf Erfolgskurs und lässt auch die Aktionäre am Erfolg teilhaben. An die Aktionäre werden 50 bis 70 Prozent des Gewinns ausgeschüttet. Die Dividende steigt seit 10 Jahren.


Die Nestlé-Aktien gehören aus meiner Sicht in jedem Marktumfeld in ein gut diversifiziertes Portfolio. So hat Nestlé in den letzten 26 Jahren Jahr für Jahr die Dividende angehoben, auch während der Finanzkrise von 2007 bis 2009. Und im laufenden Jahr dürfte die Dividende steigen.


Die Basler Pharmafirma Roche hat sogar seit 34 Jahren die Dividende Jahr für Jahr erhöht. Auch hier ist künftig mit einer steigenden Dividende zu rechnen.


Sowohl Nestle, Roche als auch Geberit werfen derzeit Renditen von über zwei Prozent ab. Der von mir hoch geschätzte Börsenpionier Hermann Zickert schrieb 1924 in seiner Publikation «Die acht Gebote der Finanzkunst»: «Wenn Sie dann die Aktien derjenigen Gesellschaft gewählt haben, welche die besten Geschäftsaussichten hat und eine höhere Dividende verteilen kann, so brauchen Sie gar nicht in den Kurszettel zu sehen und können überzeugt sein, dass früher oder später der Kurs gestiegen und auch ihr Kapital vermehrt ist.»


Auf der Suche nach Rendite stösst man auch auf «Renditeoptimierungsprodukte».


Diese sogenannten Barrier Reverse Convertibles (BRC) sind besonders beliebt in der Schweiz und in Liechtenstein. Das Anlagevehikel BRC, das zur Gruppe der strukturierten Produkte gehört, möchte ich an einem konkreten Beispiel aus der Praxis erläutern:


  • Es handelt sich um ein Callable BRC auf die Aktienindizes SMI, Euro Stoxx 50, S&P 500 (Valor 11 494 9045).

  • Der Zinssatz beträgt fix 4 Prozent per annum.

  • Emittentin ist die Credit Suisse.

  • Das «Barrierlevel» liegt bei 59 Prozent der Anfangskurse.

  • Das Produkt kann im Februar 2023 frühestens gekündigt werden, maximale Laufzeit 2 Jahre.

Wenn bis zum Ende der Laufzeit keiner der drei Aktienindizes unter das «Barrierlevel» von 59 Prozent fällt, erfolgt die Rückzahlung des einbezahlten Geldes zu 100 Prozent, natürlich plus den Zins von 4 Prozent. Oder anders ausgedrückt, wenn kein Index 41 oder mehr Prozent seines Wertes verliert, erhält der Anleger den vollen einbezahlten Betrag zurück. Falls während der Laufzeit von 2 Jahren mindestens bei einem Index eine Barriere berührt oder unterschritten wird, so erleidet der Inhaber des Produktes einen Teilverlust, im ungünstigsten Fall einen Totalverlust.


Wie sind nun diese Produkte zu beurteilen? Wie sicher sind sie? Wie hoch ist das Verlustrisiko? Es gibt Vermögensverwalter, die lehnen strukturierte Produkte und damit auch BRC aus verschiedenen Gründen (Casinoprodukte, undurchsichtig, enger Markt usw.) grundsätzlich ab. Persönlich bin ich nicht so negativ gegenüber solchen Indexprodukten eingestellt. Natürlich sind alle Finanzanlagen risikobehaftet und der Anleger muss immer mit Verlusten rechnen, auch mit BRC auf mehrere Indizes. BRC auf Indizes sind allerdings deutlich weniger schwankungsanfällig als solche lautend auf Einzeltitel. So hat eine Studie des Swiss Finance Institutes (SFI) ergeben, dass ein Barrier Reverse Convertibles (BRC) auf den S&P 500 mit einer niedrigen Barriere von 50 alle Crashs von 1957 bis 2007 schadlos überstanden hätte, nur in der Finanzkrise von 2007 hätte der Index die Barriere unterschritten, womit ein Verlust entstanden wäre.


Klar ist: solche BRC auf Indizes eignen sich nur als Zusatzanlagen in einem breit diversifizierten Depot, in dem Einzeltitel wie Nestle, Roche, Geberit und andere Blue Chips die Basis bilden. Jeder Anleger sollte sich vor dem Engagement in BRC fragen: Wie risikofähig bin ich? Wie ist meine Bereitschaft, Verluste einzustecken? Zudem ist ein Gespräch über die Produkte mit einem unabhängigen Investment Consultant auf jeden Fall nützlich.


lic. oec. Karlheinz Heeb, Verwaltungsrat der Dorata Finance AG